{"id":512,"date":"2010-02-15T00:00:00","date_gmt":"2010-02-15T00:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.antoniamichaelis.de\/?p=512"},"modified":"2010-02-15T00:00:00","modified_gmt":"2010-02-15T00:00:00","slug":"buddha-zahnt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/buddha-zahnt\/","title":{"rendered":"Buddha zahnt"},"content":{"rendered":"<p class=\"\"MsoNormal\"\">Wir fliegen also nach Sri Lanka, und ehe ich dort lesen muss, habe ich zehn Tage Ferien. Endlich zur\u00fccklehnen und entspannen! \u201eVor zehn Jahren\u201c, sage ich im Flugzeug zu meinem Mann, etwas eingequetscht, da sich mein Sessel NICHT zur\u00fccklehnen l\u00e4sst und vor mir ein ausladender Russe sitzt. \u201eDa war ich schon mal in Sri Lanka.\u201c Es f\u00fchlt sich alt und weise an, das zu sagen. Damals war ich mit einem Schotten unterwegs, und, vielleicht seinetwegen, regnete es zwei Wochen ununterbrochen. Ich wei\u00df noch, dass wir nur einen Schirm besa\u00dfen und dass der Schotte zwei Meter gr\u00f6\u00dfer war als ich. Wenn er den Schirm hielt, befand sich \u2013 je nach Windrichtung &#8211; das regenfreie Feld mal zwei Meter links hinter ihm, mal einen Meter rechts vor ihm, und ich hoppelte die ganze Zeit um ihn herum, um herauszufinden, wo ich gehen musste. Wenn ICH den Schirm hielt, musste der Schotte auf allen Vieren gehen. Auf diese Weise sahen wir wenig von Sri Lanka.<br \/>Diesmal stehen die Zeichen g\u00fcnstiger. Ein Hoch auf den Klimawandel! Es regnet NICHT.<br \/>Wir fahren zwischen malerischen Teeplantagen hinauf in die Berge, nach Kandy. Dort gibt es einen See, ich erinnere mich an stille, bl\u00fctenvolle Ufer, hervorragend zum Zur\u00fccklehnen und Entspannen. Der See ist noch da. An seinem Ufer f\u00fchrt jetzt eine Hauptverkehrsstra\u00dfe entlang.<br \/>Wir finden immerhin eine sch\u00f6ne Pension mit Blick auf den See, und am n\u00e4chsten Morgen werden wir ausschlafen und entspannen \u2026 Leider weckt uns um sechs Uhr ein Trommelkonzert vom benachbarten Schulhof. Wir verlassen die Pension mit dr\u00f6hnenden K\u00f6pfen und gehen uns den Zahn-Tempel ansehen.<br \/>\u201eVor zehn Jahren\u201c, sage ich, \u201eda hatten die Tamil Tigers gerade einen Anschlag auf das Ding ver\u00fcbt und es wurde repariert \u2026 Buddhas heiligen Zahn hatten sie damals verlegt, glaube ich. Aber man konnte ganz entspannt im Tempelhof sitzen &#8230;\u201c<br \/>Inzwischen ist alles sch\u00f6ner und neuer, nur Buddhas Zahn kann man immer noch nicht besichtigen. Daf\u00fcr gibt es Bilder von seiner Geschichte. Es handelt sich um einen Sto\u00dfzahn, was uns erstaunt, und die goldene K\u00e4seglocke, unter der er weilt, ist seit langem nicht mehr hochgehoben worden. Vielleicht vererben sich die verschiedenen K\u00f6nige seit Jahrhunderten einen gro\u00dfen Schweizerk\u00e4se, ohne es zu ahnen \u2026 Der Eingang des Tempels ist so neu, dass in den gemalten Blumen LED-Birnen leuchten. Drinnen, in der ruhigen und entspannten Atmosph\u00e4re des Buddhismus, trommeln drei junge M\u00e4nner wild um die Wette. Wir fliehen zum Allerheiligsten und finden uns in einem Blitzlichtgewitter zwischen knipsenden Japanern, Th\u00fcringern und Russen wieder. Na,&nbsp; da h\u00e4tte auch Buddha Zahnschmerzen bekommen.<br \/>Am n\u00e4chsten Tag (geweckt von Trommeln um f\u00fcnf Uhr fr\u00fch) fahren wir zu einem Waisenhaus f\u00fcr Elefanten. Ich wollte eigentlich einen adoptieren, als Spielgef\u00e4hrte f\u00fcr das Murmelkind. Doch die anwesenden Japaner, Th\u00fcringer und Russen teilen uns mit, dass das nicht geht. Daf\u00fcr d\u00fcrfen wir Papier aus Elefantendung kaufen (ob Oetinger darauf mein n\u00e4chstes Buch druckt?) und den Tieren beim Baden im Fluss zusehen. Wir w\u00fcrden uns auch gerne in den Fluss legen und entspannen \u2026 aber das ist heutzutage verboten. \u201eVor zehn Jahren &#8230;\u201c, fange ich an.<br \/>Nachdem die Elefanten zur\u00fcckgegangen sind, zeigt uns ein Junge mit langen Wimpern den benachbarten \u201eAyurvedic Herbal Garden\u201c. Dieses Kraut dort, erkl\u00e4rt er, ist Spargel, der w\u00e4chst in Sri Lanka \u00fcber der Erde, man isst die Bl\u00e4tter und das hilft gegen Cholesterin. Die wilde rosa Ananas&nbsp; hilft gegen Blutdruck, und da auf der Palme w\u00e4chst Vanille, die hilft gegen Kreislauf. In einer H\u00fctte stehen lauter kleine Fl\u00e4schchen.<br \/>\u201eDieses Massage\u00f6l ist besonders entspannend\u201c, sagt der Junge mit den langen Wimpern und gie\u00dft einen gro\u00dfz\u00fcgigen Schluck \u00d6l \u00fcber mein Gesicht. \u201eEs wirkt direkt verj\u00fcngend &#8230;\u201c Er knetet eine Weile meine Nase, zieht kr\u00e4ftig an meinen Ohren, dr\u00fcckt ein paar Dellen in meine Stirn \u2013 und tritt zufrieden zur\u00fcck. \u201eTats\u00e4chlich!\u201c, ruft mein Mann. \u201eDu siehst aus wie drei\u00dfig!\u201c<br \/>\u201eDann d\u00fcrfen SIE jetzt die R\u00fcckenmassage probieren\u201c, sagt der Junge l\u00e4chelnd. \u201eLegen sie sich einfach dort hin und entspannen sie sich.\u201c Ich versuche, nicht schadenfroh auszusehen, als ein zweiter Junge mit langen Wimpern hinzutritt, um meinen Mann in \u00d6l zu marinieren.<br \/>\u201eWussten sie\u201c, fragt er, \u201edass viele \u00e4ltere deutsche Damen Wellness-Urlaub hier machen? Massage, gesundes Essen, Baden im Fluss &#8230;\u201c<br \/> \u201eAch\u201c, murmle ich, \u201eund ich dachte, das w\u00e4ren Elefanten \u2026\u201c<br \/>Die alten Damen, erkl\u00e4rt der Junge, h\u00e4tten leider zunehmend Schwierigkeiten mit der Heimreise. Neuerdings gelte in Sri Lanka alles, was \u00e4lter w\u00e4re als 50 Jahre, als Antiquit\u00e4t und d\u00fcrfte nicht mehr ausgef\u00fchrt werden.<br \/>Na toll. Man darf keine alten Damen mehr ausf\u00fchren, keine Elefanten adoptieren, die Tempel sind restauriert, die Tamil Tigers gez\u00e4hmt und es gibt keinen Regen. Vor zehn Jahren war alles besser.<\/p>\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Falls Sie mal richtig entspannen wollen, fahren sie nach Sri Lanka! Nur vielleicht ohne mich. Ich bringe Ungl\u00fcck.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19],"tags":[],"class_list":["post-512","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-unsere-heroischen-reisen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/512","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=512"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/512\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=512"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=512"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=512"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}