{"id":542,"date":"2008-07-29T00:00:00","date_gmt":"2008-07-29T00:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.antoniamichaelis.de\/?p=542"},"modified":"2008-07-29T00:00:00","modified_gmt":"2008-07-29T00:00:00","slug":"brehms-kleines-tierleben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/brehms-kleines-tierleben\/","title":{"rendered":"Brehms kleines Tierleben"},"content":{"rendered":"<p>\u201cLangsam!\u201d, ruft mein Mann auf dem Heimweg aus der Stadt. \u201cDie Dachskinder sind wieder da!\u201d Dachse sind blind, taub und bl\u00f6d &#8211; oder sie tun so, damit sie ungest\u00f6rt auf der Stra\u00dfe spielen k\u00f6nnen. \u201cKann ich jetzt Gas geben?\u201d, frage ich nach den Dachsen. Mein Mann zeigt auf ein Schild: Otterwechsel, 8-12 und 19-24 Uhr. Mir ist unklar, ob man dort seine Otter wechseln kann (eventuell in polnische Zlotter) oder ob die Otter sich hier zum Schwimmen umziehen. Von 8 bis 12 haben sie wohl Schule (von 19 bis 24 Uhr Abendschule?), und in jedem Fall fahre ich weiter Schritttempo. Es w\u00e4re sowieso nicht schlau, schneller zu fahren; der Marder hat die Bremsschl\u00e4uche gefressen. Ich liebe die Natur.<br \/>\nZu Hause wollen wir die Sanddornhecke gie\u00dfen. Die Sanddornhecke jedoch ist weg. \u201cDie haben die Rehb\u00f6cke auf dem Gewissen\u201d, knurrt mein Mann. Die Rehe m\u00f6gen auch die Rinde der jungen Kastanien. Wir pflanzen jeden Monat neue B\u00e4ume. Wir lieben die Natur. Resigniert begeben wir uns auf einen Spaziergang &#8211; und kommen nicht weit: Vor uns tritt ein dickes Wildschwein samt Jungen aus dem Geb\u00fcsch und bleckt \u00e4rgerlich seine Hauer. Es scheint Vorfahrt zu haben.<br \/>\nWir verlassen daher den Weg und waten durch eine sumpfige Wiese, wobei wir einigen hundert Fr\u00f6schen ausweichen. Fr\u00f6sche haben auch Vorfahrt, man wei\u00df schlie\u00dflich nie, ob sie selten sind und unter Naturschutz stehen. Wieso stellt mich niemand unter Naturschutz &#8230; ? Auf dem weiteren Weg treffen wir ein Rudel Dammwild, dessentwegen man nicht laut reden darf, und zwei Seeadler, die hoch im Baum ihre Fische essen. Einige wei\u00dfe Adlerkleckse landen auf meinem Kopf.<br \/>\nZu Hause will ich duschen, doch vor dem Fenster h\u00e4ngt ein Wespennest, und die Wespen erkunden gerade das Bad. Ich beschlie\u00dfe, stattdessen Kirschen zu pfl\u00fccken, aber am Baum h\u00e4ngen keine Kirschen mehr. Eine scheinheilige Meute Stare sitzt auf dem Schuppen und macht Verdauungsger\u00e4usche. Neben dem Komposthaufen sortiert der Fuchs den Kompost. \u201cK\u00f6nnt ihr nicht mal Fleisch wegwerfen?\u201d, fragt er vorwurfsvoll. \u201cWas soll ich mit diesem Gammelgem\u00fcse?\u201d Im Flur stolpere ich \u00fcber einen der Sterbek\u00e4fer, die zum Verenden zu uns kommen und dann so tun, als w\u00e4ren wir schuld. Er schmei\u00dft sich auf den R\u00fccken und r\u00f6chelt theatralisch. \u201cGestorben wird drau\u00dfen\u201d, sage ich streng.<br \/>\nAuf dem K\u00fcchentisch ist eine gro\u00dfe Nacktschnecke unterwegs. Sind wir hier der FKK-Strand, oder was? Im Schlafzimmer huschen Silberfischchen \u00fcber die Wand. Ich hole den Staubsauger, um sie zu erschrecken. Die Silberfischchen fliehen von der Wand ins Bett. Morgen werde ich davon erwachen, dass sie \u00fcber mich krabbeln. Oder davon, dass unser Piratenkater nach seinem Fr\u00fchst\u00fcck ruft. Was soll\u00b4s. Ich krieche unter die Decke, wo eine Maus weghuscht. Und w\u00e4hrend der Marder laut gr\u00f6lend auf dem Dachboden \u00fcber mir herum hopst, surrt mich eine Armee von M\u00fccken in den Schlaf. Ich liebe die Natur.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele Leute glauben, wir lebten einsam hier drau\u00dfen. Sch\u00f6n w\u00e4r\u00b4s.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-542","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-die-schrecken-des-landlebens"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/542","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=542"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/542\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=542"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=542"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=542"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}