{"id":548,"date":"2008-06-16T00:00:00","date_gmt":"2008-06-16T00:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.antoniamichaelis.de\/?p=548"},"modified":"2008-06-16T00:00:00","modified_gmt":"2008-06-16T00:00:00","slug":"kopflose-tradition","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/kopflose-tradition\/","title":{"rendered":"Kopflose Tradition"},"content":{"rendered":"<p>Guatemala ist ein Land voller Geschichte. Im Ort Comalapa gibt es eine ganze Mauer mit Bildern dar\u00fcber. Dort erkl\u00e4rte man uns folgendes: Die ersten Mayas entstanden aus Maissuppe. Sie bauten eine Menge Pyramiden, sahen von der Erfindung des Rades allerdings ab. R\u00e4der gab es nur an ihrem Kinderspielzeug. Daf\u00fcr erfanden sie das Basketballspiel, bei dem entweder die Verlierer oder die Gewinner durch Kopf-Abschlagen geopfert wurden &#8211; der Korb war ohnehin kleiner als der Ball, was den Spielverlauf erschwerte. Heute werden statt K\u00f6pfen an den alten Opferst\u00e4tten Colaflaschen und Zigarren f\u00fcr die Ahnen hinterlegt. Man geht mit der Zeit.<br \/>\nDie Inkas hatten Keinenm\u00f6rtel und Keinefenster und waren sehr stolz darauf. Die Mayas hatten nur Keinefenster, also eine Art zweitklassige Indianer. Ganz erstklassige Indianer hatten vermutlich Keinebauwerke &#8211; letztere sind auch hervorragend erhalten.<br \/>\nSp\u00e4ter mischten sich die Spanier mit den Mayas. Sie fanden, so der einheimische F\u00fchrer, gemeinsam Comalapa und erbauten sodann selbiges. Zuerst mussten sie jedoch die zweik\u00f6pfigen Adler vertreiben, die in die Vergangenheit und in die Zukunft sehen konnten (Ich glaube, sie hatten einfach einen Reservekopf, falls ein Ballspiel nahte). Neben den Adlern gab es in der Gegend gestreifte Jaguare mit Klumpf\u00fc\u00dfen. W\u00e4hrend die M\u00e4nner die neuen katholischen Kirchen mit Jaguaren und Geisterv\u00f6geln verzierten, brachte die Mondg\u00f6ttin Ichel den Frauen das Weben dabei. Sie erscheint ihnen noch heute und kennt eine Menge Muster. Leider hat sie einen leicht verirrten Geschmack: am besten, man baut alle Muster UND Farben gleichzeitig ein.<br \/>\nSp\u00e4ter zerstritten sich die katholischen Kirchengemeinden und danach kam der B\u00fcrgerkrieg; eine sch\u00f6ne Gelegenheit, sich mal wieder gegenseitig die K\u00f6pfe abzuschlagen. Vielleicht h\u00e4tten die hellsichtigen Adler erw\u00e4hnen sollen, dass Comalapa doch kein so idealer Siedlungsort war. Nach zwanzig Jahren wurde das K\u00f6pfeabschlagen jedoch langweilig, und heute malen die Leute lieber Bilder. Allein in Comalapa gibt es 20 000 Maler, was beeindruckend ist, da die Stadt nur 10 000 Einwohner hat.<br \/>\nDie K\u00fcnstler haben auf der Mauer auch die Hochzeits-Tradition dargestellt: Beim Wasserholen sucht sich der Mann die Frau aus (sie tr\u00e4gt das Wasser), da er sie sonst nie zu sehen bekommt. Wenn sie ihn mag, gie\u00dft sie ihm das Wasser \u00fcber den Kopf. Dann spielen seine Freunde nachts ein St\u00e4ndchen unter ihrem Fenster, w\u00e4hrend er seine Sch\u00fcchternheit mit hellblauem Heilschnaps besiegt. Er wirft nun einen Strau\u00df zu ihr hoch, und zum Zeichen ihrer Anerkennung gie\u00dfen die Brauteltern ihm ihrerseits Wasser \u00fcber den Kopf. Schlie\u00dflich entf\u00fchren die Freunde des Br\u00e4utigams die Braut; er fesselt und knebelt sie und bewahrt sie eine Nacht lang in seinem Haus auf. Man geht davon aus, dass das der Braut gef\u00e4llt. Am n\u00e4chsten Morgen m\u00fcssen die Eltern einer Heirat zustimmen, da an der Jungfr\u00e4ulichkeit der Dame zurecht gezweifelt wird. Zur Vers\u00f6hnung entsendet der Br\u00e4utigam (durch die Multi-tasking-Freunde) einen gro\u00dfen Brotkorb. Und in den n\u00e4chsten zwanzig Jahren bekommt die &#8211; zu Beginn 15-j\u00e4hrige &#8211; Frau 16 bis 21 Kinder.Genug f\u00fcr eine Maya-Basketball-Mannschaft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ballspielen in Guatemala ist eine blutige Sache. Heiraten eher eine w\u00e4ssrige.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-548","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-schwarzer-humor-fur-anfanger"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/548","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=548"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/548\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=548"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=548"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=548"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}