{"id":552,"date":"2008-05-05T00:00:00","date_gmt":"2008-05-05T00:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.antoniamichaelis.de\/?p=552"},"modified":"2008-05-05T00:00:00","modified_gmt":"2008-05-05T00:00:00","slug":"von-vogeln-und-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/von-vogeln-und-menschen\/","title":{"rendered":"Von V\u00f6geln und Menschen"},"content":{"rendered":"<p>Der Fr\u00fchling ist eine gute Jahreszeit, um sich mit V\u00f6geln zu besch\u00e4ftigen. Doch schon Romeo und Julia hatten da ihre Schwierigkeiten. Es war, wir wissen es alle, die Nachtigall und nicht die Lerche (wobei ich mich frage, wie sie einen Singvogel mit einem Nadelbaum verwechseln konnten). \u201cPst!\u201d, zischt mein Mann. \u201cH\u00f6rst du das? Didel hu, didel hu, bubel bubel bubel? Das ist die gelbschn\u00e4belige Klappergrasm\u00fccke!\u201d<br \/>\n\u201cMeinst du das: Hudel b\u00f6? Hudel b\u00f6?\u201d, frage ich.<br \/>\n\u201cNein, das w\u00e4re die grauk\u00f6pfige katholische Bachstelze!\u201d Er reisst das Fernglas hoch. \u201cNa so was! Doch keine gelbschn\u00e4belige Klappergrasm\u00fccke! Eine schnabelklappernde Gelbm\u00fcckengr\u00e4se! Zu erkennen am roten Brustfleck und der schwarzen Augenbinde!\u201d<br \/>\n\u201cOh\u201d, sage ich bedauernd. \u201cIst das arme Tier blind?\u201d<br \/>\n\u201cDu verwechselst das\u201d, erkl\u00e4rt mein Mann, \u201cmit dem mitteleurop\u00e4ischen Gartenblindh\u00e4nfling. Der singt: Midel-midel-midel schl\u00fc\u00fc\u00fc\u00fc but but buttbutt!\u201d<br \/>\n\u201cDort!\u201d, fl\u00fcstere und zeige ins gr\u00fcne Ge\u00e4st. \u201cWem geh\u00f6rt der Gesang?\u201d<br \/>\n\u201cRedest du von dem: Schipel Schipel h\u00f6\u00f6? Oder Bakka bakka fliii?\u201d<br \/>\n\u201cIch meinte eigentlich mehr so dieses Pfisel Pfisel &#8211; knieptsch &#8211; Pfisel Pfisel &#8230;\u201d<br \/>\n\u201cNicht r\u00fchren!\u201d Mein Mann dr\u00fcckt mich in ein Brennnesselgeb\u00fcsch. \u201cDa sitzt ein frankophoner Eichenbordeaux, die sind hier ganz selten! Der rostrote mit dem gr\u00fcnen Schwanzdreieck!\u201d<br \/>\nIch sehe nur etwas unscheinbares, braun-graues.<br \/>\n\u201cH\u00f6r mal\u201d, fl\u00fcstert mein Mann. \u201cJetzt: Sibiiiii! Sibiiiii! Mizzi Mizzi Mizzi Tillerilililipitti! Er singt im Konjunktiv.\u201d<br \/>\n\u201cAha\u201d, sage ich. \u201cSibylle! Sibylle! Rizzi Pizzzi Schillerililili &#8230;\u201d<br \/>\n\u201cNeinein\u201d, verbessert mein Mann. \u201cSibiii! Mizzi Mizzi &#8230;\u201d<br \/>\n\u201cSki! Ski!\u201d, fl\u00f6te ich. \u201cFlizzi Flizzi Ballerilili &#8230;\u201d<br \/>\n\u201cTillerilili\u201d, korrigiert mein Mann.<br \/>\n\u201cHatschi\u201d, sage ich.<br \/>\n\u201cWie?\u201d, fragt er.<br \/>\n\u201cDie Allergie!\u201d, erkl\u00e4re ich, nach Luft ringend. \u201cHieschnipfen!\u201d<br \/>\nDamit ich es endlich lerne, habe ich eine Uhr gekauft, die fl\u00f6tet die Stunden, statt sie zu schlagen. An Stelle der Zahlen sind die entsprechenden V\u00f6gel abgebildet, samt korrekter Zehennagelfarbe und authentischer Zahnstellung. Mit dubiosem Erfolg: Wenn wir jetzt im Wald beispielsweise eine gro\u00dff\u00fc\u00dfige Eisschnepfe h\u00f6ren, sagt einer von uns sicher: \u201cWas? Schon sieben? Wie die Zeit vergeht!\u201d<br \/>\nNeulich sang auf unserem Dach die avantgardistische Heckenm\u00e4kel, die ist so selten, die gibt es noch gar nicht. Man erkennt sie am blauen Lidstrich, und sie ruft ungef\u00e4hr \u201cSchlibelirk! Muffi-muffi-Schlibelirk!\u201d Ich hege ja den Verdacht, dass all diese V\u00f6gel die Jodelschule bei Loriot absolviert haben. Der einzige Balzruf, den ich im Fr\u00fchjahr hinbekomme, bleibt \u201cHatschi!\u201d Aber den kann ich im Subjunktiv, im Akkusativ und im Regentief. Und zwar auswendig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser Freund kennt nur KBVs: Kleine braune V\u00f6gel. Aber ruft die Heckenbraun\u00fcle Fissib\u00e4\u00e4 oder klodedimi?<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-552","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-die-schrecken-des-landlebens"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/552","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=552"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/552\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=552"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=552"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=552"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}