{"id":565,"date":"2008-01-21T00:00:00","date_gmt":"2008-01-21T00:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.antoniamichaelis.de\/?p=565"},"modified":"2008-01-21T00:00:00","modified_gmt":"2008-01-21T00:00:00","slug":"zuricher-spezialitaten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/zuricher-spezialitaten\/","title":{"rendered":"Z\u00fcricher Spezialit\u00e4ten"},"content":{"rendered":"<p>Z\u00fcrich ist eine sch\u00f6ne Stadt: 27 Starbucks-Caf\u00e9s und jede Menge Gesch\u00e4fte. Im Herbst erstand ich in Z\u00fcrich den neuen Wolf-Erlbruch-Kalender, DIN A2, dessen ungeknickter Transport nach Vorpommern sich etwas schwierig gestaltete. Eine Woche sp\u00e4ter stellte ich fest, dass es in meiner Stammbuchhandlung zu Hause den gleichen gab&#8230; Meiner ist aber sch\u00f6ner, denn er war doppelt so teuer.<br \/>\nDiesmal finde ich bei meiner Ankunft im Hotel eine dicke Mappe voller Fahrpl\u00e4nen sowie ein Zettel: Mittwoch, 19 Uhr, Foyer, Apero. WO ist das Hotel Apero? Im Fr\u00fchst\u00fccksraum sitzen lauter einzelne Touristen, die ich fragen k\u00f6nnte. Doch vermutlich sprechen sie nur russsich oder chinesisch oder katalan.<br \/>\nIch fahre mit drei verschiedenen S-Bahnen zur ersten Lesung, mit zwei Trams und vier Bussen zur\u00fcck und beginne, das Apero zu suchen. Der Name kommt mir spanisch vor. Doch keine der Tapas-Bars kann mir helfen. In den Designl\u00e4den sch\u00fcttelt man die K\u00f6pfe. Aber ein Paar bunte Turnschuhe k\u00f6nnte ich kaufen, sind runtergesetzt, kosten jetzt nur noch 10 000 Euro. Auch nebenan nur Schulterzucken. Ob ich nicht lieber eine Peepshow besuchen wollte? Es g\u00e4be diese Woche knackige Damen im Bergschnee zu sehen, bekleidet nur mit Skiern&#8230; stur beharre ich auf dem Apero. Vielleicht ist es ja franz\u00f6sisch &#8211; Aper-O? Ich frage den n\u00e4chsten D\u00f6nermann und ernte Kopfsch\u00fctteln. Allerdings gibts bei ihm ein D\u00f6ner f\u00fcr schlappe 10 Euro. Das ist mir zu billig, sage ich angewidert und gehe.<br \/>\nAm n\u00e4chsten Morgen sitzen die Einzeltouristen alle \u00fcber Stadtkarten gebeugt. Ich fahre mit drei S-Bahnen zur ersten Lesung und mit zwei Bussen sowie vier Regionalz\u00fcgen zur n\u00e4chsten.<br \/>\n\u201cSo\u201d, sagt die Lehrerin am Ende. \u201dUnd jetzt stellen wir die Finken auf den Rost.\u201d<br \/>\n\u201cBeim Fr\u00fchst\u00fccksbuffet in meinem Hotel gibt es gar keine gegrillten Singv\u00f6gel\u201d, meckere ich. Nein, erkl\u00e4rt man mir, Finken sind schwiezerisch f\u00fcr Hausschuhe. Und der Rost ist schwiezerisch f\u00fcr Schuhregal. Schade. Der Mittwoch naht. Beim Fr\u00fchst\u00fcck sehen die Einzeltoursten ratlos aus. Ob die auch die ger\u00f6steten Finken suchen? Ich fahre mit 17 S-Bahnen, 15 Bussen, 19 Trams und 31 Regionalz\u00fcgen zu meiner Lesung. Nachmittags frage ich die Empfangsdame in meinem Hotel nach dem Apero. Sie legt die Stirn in Finken &#8211; Verzeihung, Falten. \u201cSicher japanisch!\u201d, meint sie, \u201cA-Pe-Ro. Vielleicht eine Sushi-Bar.\u201d<br \/>\nGibt es dort in diesem Fall rohe Affen? Ich reiche ihr den Zettel.<br \/>\n\u201cAch, Aa-pero!\u201d, ruft sie. \u201cBetont auf der ersten Silbe! Das ist schwiezerisch f\u00fcr Aperitif!\u201d<br \/>\nUm 19 Uhr versammeln sich die russischen, katalanischen und chinesischen Touristen im Foyer zu besagtem Aperitif. Es sind alles deutsche Autoren. Auch sie suchen seit drei Tagen das Hotel Apero. Schwiezerisch ist eine sch\u00f6ne Sprache.<br \/>\n\u201cJetzt\u201d, sage ich am n\u00e4chsten Tag zu den Kindergartenkindern. \u201cBringt mir mal ein richtig schwiezerisches Wort bei, mit vielen Chchchch.\u201d<br \/>\nDie kleinen Schwiezerli \u00fcberlegen lange. \u201cIch habs!\u201d, ruft schlie\u00dflich eines. \u201cMaus!\u201d<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schweizer haben einen Vogel. An den F\u00fc\u00dfen. Und auf welcher Silbe betont man Apero?<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-565","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lesung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/565","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=565"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/565\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=565"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=565"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=565"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}