{"id":569,"date":"2007-12-10T00:00:00","date_gmt":"2007-12-10T00:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.antoniamichaelis.de\/?p=569"},"modified":"2007-12-10T00:00:00","modified_gmt":"2007-12-10T00:00:00","slug":"der-sinn-unser-brauche-eine-abhandlung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/der-sinn-unser-brauche-eine-abhandlung\/","title":{"rendered":"Der Sinn unser Br\u00e4uche &#8211; eine Abhandlung"},"content":{"rendered":"<p>Weihnachten ist seit jeher mit einer Vielzahl an unverst\u00e4ndlichen Br\u00e4uchen verbunden: Warum feiern wir die Entbindung eines unehelichen Kindes in Israel mittels Tannenb\u00e4umen, Nelken, Blechglocken, Marzipan und gro\u00dfen Mengen von Alkohol? Warum gedenken wir des warmen Klimas in Bethlehem durch Spr\u00fchschnee? Und woher kommen die Rentiere? Handelt es sich um die Verwechslung mit Kamelen? Wieso h\u00e4ngt an unserem Weihnachtsbaum jedes Jahr eine Spielzeugfeuerwehr? All diese Fragen haben sich die Engl\u00e4nder ebenfalls gestellt und sich auf logischere Advents-Ausr\u00fcstung verlegt: Rotkehlchen, Stechpalmen, Postkarten auf dem Kaminsims und ungenie\u00dfbaren Pudding mit Geldst\u00fccken. Ein anderer Teil der englischen Adventsausr\u00fcstung ist die Mistel. Was sie mit Weihnachten zu tun hat, wei\u00df niemand, aber man muss sie haben. Vielmehr muss man sie aufh\u00e4ngen (nicht jedoch kreuzigen!), um darunter dann jeden zu k\u00fcssen, den man dort trifft. Eventuell hat ja das K\u00fcssen mit christlicher N\u00e4chstenliebe zu tun &#8230;<br \/>\n\u201cNun haben wir ein Haus\u201d, sagt mein Mann, \u201cda m\u00fcssen wir wohl auch eine Mistel aufh\u00e4ngen.\u201d<br \/>\nEin J\u00e4ger versucht, uns eine f\u00fcr 15 Euro zu verkaufen. Wir lehnen ab. Auf dem Land kann man seine Mistel sicher selbst pfl\u00fccken. Leider haben Misteln aber eine unvorhergesehene Eigenschaft: Sie h\u00e4ngen schon von sich aus. Und zwar sehr hoch. Der J\u00e4ger hat seine Misteln vermutlich vom Baum geschossen. Mangels eines Gewehrs ziehen wir in den Wald hinaus (Marzipan und Alkohol mit Nelken im Gep\u00e4ck) und suchen eine tief h\u00e4ngende Mistel. Einige Rotkehlchen im Ge\u00e4st klingeln manisch mit goldenen Blechglocken, doch der Wald ist nass und grau. Wir haben den Spr\u00fchschnee vergessen.<br \/>\n\u201cLiebling\u201d, sage ich. \u201cDa bei den Pappeln gibt es Gewitter. Die Misteln h\u00e4ngen tief dort.\u201d<br \/>\nWir stapfen durch eine Kiefernschonung (etwas, das sonst nur der Zahnarzt empfiehlt). Die Misteln h\u00e4ngen wirklich tief. Ungef\u00e4hr vier Meter tief.<br \/>\n\u201cJetzt w\u00e4re ein Rentier gut\u201d, sage ich, \u201cum auf seinen R\u00fccken zu steigen. Du siehst: Alle Weihnachtsbr\u00e4uche haben einen Sinn.\u201d<br \/>\n\u201cNat\u00fcrlich\u201d, sagt mein Mann und wirft Marzipan-Kartoffeln auf die Misteln. Danach ent-asten wir eine kleine Tanne und ben\u00fctzen sie als Angel. Die mistigen Misteln krallen sich stur fest. Da f\u00e4llt mir die Spielzeugfeuerwehr ein. Alle Weihnachtsbr\u00e4uche haben einen Sinn. Wir mieten also ein freiwilliges Feuerwehrauto, fahren die Leiter aus und zeigen es den Misteln. Hah!<br \/>\nEinen Tag sp\u00e4ter schlendern wir \u00fcber den Polenmarkt, wo man uns nicht nur \u201cWeltfisch und andere Vorthilichkeiten\u201d anbietet, sondern auch Misteln: Gro\u00dfe Misteln, kleine Misteln, Misteln mit und ohne Beeren &#8211; Strau\u00df ein Euro. Doch \u00fcberall an unseren T\u00fcren h\u00e4ngen schon Misteln, auch unter der Eingangst\u00fcr. Seither musste ich zwei Schornsteinfeger, einen Spediteur und sieben Postboten k\u00fcssen. Das ist etwas l\u00e4stig, aber wir bekommen jetzt viel mehr Postkarten f\u00fcr den Kaminsims. Alle Weihnachtsbr\u00e4uche haben einen Sinn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum sind Rentiere und Marzipan im Advent unverzichtbar? Hier gibt es Antworten f\u00fcr Nicht-Katholiken.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-569","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-die-schrecken-des-landlebens"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/569","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=569"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/569\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=569"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=569"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=569"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}