{"id":575,"date":"2007-10-28T00:00:00","date_gmt":"2007-10-28T00:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.antoniamichaelis.de\/?p=575"},"modified":"2007-10-28T00:00:00","modified_gmt":"2007-10-28T00:00:00","slug":"leute-machen-kleider","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/leute-machen-kleider\/","title":{"rendered":"Leute machen Kleider"},"content":{"rendered":"<p>Sie kennen das Problem mit der Waschmaschine. Man tut etwas hinein, und es kommt etwas ganz anderes heraus. Fr\u00fcher pflegte meine Mutter selbst gestrickte Pullover von eifrigen Nachbarinnen geschenkt zu bekommen, die sie alle hei\u00df wusch. Wir ben\u00fctzten sie hinterher als Eierw\u00e4rmer. Zu Beginn des Studentenlebens kaufte ich mir einen Stapel neuer wei\u00dfer Unterw\u00e4sche, und meine Freundin tat sie mit einem kakifarbenen Hemd in die Waschmaschine, was den Unterhosen einen dezenten Gelbton verlieh &#8230; Ich hingegen schaffte es, in drei Jahren 267 Socken zum spurlosen Verschwinden zu bringen. Im Flur spannte ich eine Schnur, an der ich die hinterbliebenen Socken aufh\u00e4ngte: Die Single-Socken-Hotline &#8222;www.owe.de&#8220; &#8211; in der Hoffnung, nach und nach w\u00fcrden die Partner der Socken auftauchen. Das Schild h\u00e4ngt noch heute dort. Die 267 einzelnen Socken auch. Dann \u00fcbernahm eine andere Freundin das W\u00e4sche-Management. Sie ordnete alle Kleider leidenschaftlich nach Farbe, Gr\u00f6\u00dfe, Form und ich glaube auch nach Blutgruppe, und abgesehen von den gelegentlichen Anfragen vorbeikommender Touristen, ob sie unseren Ton-in-Ton aufeinander abgestimmten W\u00e4schest\u00e4nder photographieren d\u00fcrften, geschah eine Weile nichts. Bis ich aufs Land zog.<br \/>\nZu dieser Zeit beschloss meine Freundin, auf Waschn\u00fcsse umzusteigen. Mein Mann, der in der Stadt arbeitet, wohnt von Montag bis Freitag auch in der alten WG, und er entwickelte das komplizierte Hobby, jedesmal heimlich Waschpulver in die Maschine zu kippen. Die Waschn\u00fcsse waren hinterher viel sauberer als vorher. Er nimmt meine W\u00e4sche jedes Wochenende mit, weil wir auf dem Land keine Maschine haben, und eines Tages zog ich meinen liebsten Wollpullover an und stellte fest, dass er keine L\u00f6cher mehr hatte. Sie waren einfach zu-geschrumpft. Die \u00c4rmel gingen mir nur noch bis zu den Ellbogen. In der n\u00e4chsten Woche fand ich im W\u00e4schekorb drei neue Dreiviertelhemden und einen Minirock, die ich alle noch nie gesehen hatte. Ihre Farbe und die Kn\u00f6pfe kamen mir jedoch vage bekannt vor.<br \/>\n&#8222;Und was f\u00fcr h\u00fcbsche Waschlappen!&#8220;, rief ich ein paar Tage sp\u00e4ter. &#8222;Waschlappen?&#8220;, fragte mein Mann nachdenklich. &#8222;Ich hatte eigentlich nur Handt\u00fccher in die W\u00e4sche getan &#8230; aber was tr\u00e4gst du da eigentlich f\u00fcr ein interessantes bauchfreies Mieder? Das ist ja ziemlich gewagt!&#8220; &#8222;Ach, das ist die Wollweste, die du gewaschen hast&#8220;, antwortete ich.<br \/>\nNachdem er am Montag in die Stadt zur\u00fcck gefahren war, gr\u00fcbelte ich lange. Es war kalt, und ich fror in meinen knappen Sachen. Schlie\u00dflich f\u00fcllte ich die Badewanne mit hei\u00dfem Wasser und stieg hinein. Eine Stunde sp\u00e4ter war ich viel kleiner als vorher. Alle meine Sachen passten mir wieder. Leider kam ich jetzt nicht mehr an die oberen Regale im Haus. Nunja, ich stellte eine Leiter an die Hauswand und setzte den Wasserkocher in Gang &#8230; &#8222;Was ist denn mit dem Haus passiert?&#8220;, fragte mein Mann am Freitag. &#8222;Ich sto\u00dfe pl\u00f6tzlich mit dem Kopf an der Decke an!&#8220; &#8222;Nicht mehr lange&#8220;, sagte ich, l\u00e4chelte hold und hob den Wasserkocher. Kommen Sie uns ruhig mal besuchen. Wir haben uns jetzt einen gr\u00f6\u00dferen Wasserkocher angeschafft. Er steht gleich hinter der Eingangst\u00fcr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kleider machen Leute? Moderne Waschmaschinen erm\u00f6glichen das Gegenteil.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-575","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gemeinheiten-des-alltags"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/575","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=575"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/575\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=575"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=575"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=575"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}