{"id":591,"date":"2010-06-14T19:02:39","date_gmt":"2010-06-14T19:02:39","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.antoniamichaelis.de\/?p=591"},"modified":"2010-06-14T19:02:39","modified_gmt":"2010-06-14T19:02:39","slug":"sonst-machen-sie-nichts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/sonst-machen-sie-nichts\/","title":{"rendered":"Sonst machen Sie nichts?"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich wollte ich einen Blog \u00fcber die verschiedenen Programme der Verlage schreiben, die zur Zeit alle bei uns ins Haus flattern. \u00dcber Trends und Hochglanz und Amerika. Und dar\u00fcber, wie ich meine n\u00e4chsten Jugendb\u00fccher nennen werde: \u201eWarum ich keine Trilogien schreibe Teil 1\u201c, \u201e -Teil 2\u201c und \u201e -Teil 3\u201c.<br \/>\nAber das geht dann wieder nicht auf der Oetinger Homepage, und ich denke gerade dar\u00fcber nach, \u00fcber was ich stattdessen schreiben k\u00f6nnte, als das Telefon klingelt. Es ist unser Anrufbeantworter, der uns ab und zu anruft, wenn ihm langweilig ist. Manchmal unterbricht er ein Gespr\u00e4ch, in dem er in der Leitung anklopft, um mir mitzuteilen, er h\u00e4tte auf sich selbst gesprochen.<br \/>\nDiesmal hat er Nachrichten von einem gr\u00f6\u00dferen deutschen Fernsehsender bzw. dessen lokaler Redaktion. Ich sollte zur\u00fcckrufen, bitte bald, erreichbar w\u00e4re die Dame \u201evon Montag bis Dienstag, 9 bis 10.15 und Mittwochs 16.30 bis 16.35.\u201c Ich beschlie\u00dfe, nur Donnerstags zwischen 21 Uhr 05 und 21 Uhr 07 erreichbar zu sein und warte, bis die Dame selbst noch mal anruft. Was sie tut.<br \/>\n\u201eEs geht um eine Sendung\u201c, erkl\u00e4rt sie mir. \u201ein der das Leben von Leuten aus der Region portraitiert wird. K\u00f6nnen wir bei Ihnen zu Hause filmen?\u201c<br \/>\n\u201eNa, von mir aus &#8230;\u201c, sage ich.<br \/>\nFernsehfrau: Sie schreiben doch B\u00fccher. Machen Sie das hauptberuflich?\u201c<br \/>\nIch: Ja.<br \/>\nFF: Hm. Haben Sie sonst keinen Beruf?<br \/>\nIch: Ich war mal Lehrer und bin theoretisch Arzt. Aber das \u00fcbe ich nicht aus.<br \/>\nFF: Hm. Schade. Wir k\u00f6nnen sie ja nicht eine halbe Stunde lang beim Schreiben filmen\u2026 machen Sie sonst nichts?<br \/>\nIch: Dann schreibe ich noch die St\u00fccke f\u00fcr die Montessorischule Greifswald und f\u00fchre dort zusammen mit einer Freundin Regie. Da k\u00f6nnten Sie ja was filmen.<br \/>\nFF: Hm. Wann ist denn das n\u00e4chste St\u00fcck?<br \/>\nIch: Wir spielen jedes Jahr am Schuljahresende.<br \/>\nFF: Wann ist denn das n\u00e4chste St\u00fcck?<br \/>\nIch: Na, diesen Sommer, im \u2026<br \/>\nFF: Das ist zu fr\u00fch.<br \/>\nIch: Ach so. Dann filmen sie doch das St\u00fcck im kommenden Schuljahr.<br \/>\nFF: Wann ist denn das?<br \/>\nIch: Na, n\u00e4chsten Sommer.<br \/>\nFF: Das ist zu sp\u00e4t.<br \/>\nIch: Es gibt auch von allen St\u00fccken Videomitschnitte. Die k\u00f6nnten sie in ihre Sendung reinschneiden.<br \/>\nFF: Das geht nicht. Wir m\u00fcssen das selbst filmen.<br \/>\nIch: Ich habe gerade  ein gro\u00dfes Projekt mit einem Gymnasium gemacht, die haben richtig im Stadttheater gespielt, da habe ich das St\u00fcck geschrieben. Das haben Sie sicher nicht gesehen ..<br \/>\nFF: Ich kann ja nicht \u00fcberall hingehen.<br \/>\nIch: Die spielen auch nochmal, da k\u00f6nnten Sie \u2026<br \/>\nFF: Nein, das ist auch zu fr\u00fch. Machen Sie sonst nichts?<br \/>\nIch: Ich lese, \u00fcberall in Deutschland und auch anderswo. Sie k\u00f6nnten ja zu einer Lesung in der n\u00e4heren Umgebung kommen und die filmen. Das ist auch mehr wie Schauspiel. Demn\u00e4chst lese ich in Karlsburg, dann auf zweimal auf Usedom, dann &#8230;<br \/>\nFF: Es m\u00fcsste schon in der Greifswalder Innenstadt sein. Ich habe kein Auto.<br \/>\nIch (mich fragend, wie sie dann bei mir zu Hause filmen will \u2013 bringt sie die Ausr\u00fcstung auf dem Fahrrad mit?): Ich h\u00e4tte da was in der Unibuchhandlung in Greifswald Ende Mai \u2026<br \/>\nFF: Da bin ich im Urlaub.<br \/>\nIch: K\u00f6nnten Sie nicht zu einer der Lesungen in der Umgebung mit dem Zug fahren?<br \/>\nFF: Nein. Wer bezahlt dann die Fahrkarte?<br \/>\nIch: Und \u2026 wenn Sie ein Interview mit mir machen, hier bei uns, auf einem Spaziergang &#8230; hier ist es ganz sch\u00f6n \u2026 und ich erz\u00e4hle Ihnen was von meinem Beruf \u2026<br \/>\nFF: Das interessiert doch keinen. Sagen Sie, was hat Sie eigentlich (angeekelt) in DIE Gegend da drau\u00dfen verschlagen? Haben sie (mitleidig) das Haus geerbt?<br \/>\nIch: Nein. Eigentlich finden wir es ganz sch\u00f6n hier.<br \/>\nFF: Also das ist ja alles etwas ung\u00fcnstig. Machen Sie sonst nichts?<br \/>\nIch: Ich spiele auch noch selbst Theater. Das St\u00fcck habe ich aber nicht geschrieben.<br \/>\nFF (sehr entt\u00e4uscht): Ach. Dann geht das ja nicht. Und sonst machen Sie gar nichts?<br \/>\nIch: Ich mache F\u00f6rderunterricht mit einem Nachbarskind &#8230;<br \/>\nFF (ungeduldig): Sonst nichts?<br \/>\nIch (verzweifelt): Ich bin nebenberuflich Mama \u2026<br \/>\nFF: H\u00f6ren Sie, wir hatten uns eigentlich gedacht, wir begleiten irgendein Projekt im Entstehen bis zu einem \u2026 einem H\u00f6hepunkt.<br \/>\nIch: Sex?<br \/>\nFF: Wie?<br \/>\nIch: Ach nichts.<br \/>\nFF: Also, wenn ein neues Buch rauskommt, gibt es da eine Premierefeier?<br \/>\nIch: Nee. Da m\u00fcssten wir ja andauernd feiern. Ich kann ihnen das Entstehen eines Buches gerne erkl\u00e4ren, wenn wir uns in Greifswald zu einem Kaffee treffen &#8211;<br \/>\nFF: Ich habe wirklich wenig Zeit. Ich arbeite n\u00e4mlich nur halbtags. Nachmittags kann ich nicht arbeiten, da habe ich ja frei.<br \/>\nIch: Ach so.<br \/>\nFF: Sie sind sich sicher, dass Sie sonst nichts machen? Au\u00dfer den B\u00fcchern und den Lesungen und dem Theater und dem Kind?<br \/>\nIch (ersch\u00f6pft): Manchmal telefoniere ich mit Frauen von gr\u00f6\u00dferen Fernsehsendern.<br \/>\nFF: Oh! Das ist ja interessant!  Diese Damen sind doch sicher schillernde Pers\u00f6nlichkeiten mit unterhaltsamen Lebensgeschichten! Dar\u00fcber k\u00f6nnten wir doch was machen! So was mit Fernsehen kommt doch immer gut an!<br \/>\nIch: Keine Ahnung. Ich habe keinen Fernseher.<br \/>\nFF: Ach nein?<br \/>\nIch: Ich habe auch kein Telefon.<br \/>\nFF (betroffen): Oh. Dann bin ich falsch verbunden &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gew\u00f6hnlich werde ich gefragt, wann ich eigentlich all diese Dinge tue, die ich tue. Ja, ich lebe etwas hektisch. Das Fernsehen ist anderer Meinung &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-591","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-die-lieben-leute-vom-fernsehen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/591","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=591"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/591\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=591"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=591"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=591"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}