{"id":691,"date":"2011-08-02T09:36:32","date_gmt":"2011-08-02T09:36:32","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.antoniamichaelis.de\/?p=691"},"modified":"2011-08-02T09:36:32","modified_gmt":"2011-08-02T09:36:32","slug":"kinder-kinder-was%c2%b4n-theater","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/kinder-kinder-was%c2%b4n-theater\/","title":{"rendered":"Kinder, Kinder, was\u00b4n Theater"},"content":{"rendered":"<p>Theaterspielen ist sch\u00f6n und entspannend.<br \/>\nSpontane \u00c4nderungen des Ablaufs machen das ganze erst interessant, so zum Beispiel der umkippende Kerzenst\u00e4nder in meiner Schulzeit, der die Kulissen ungeplant dramatisch in Flammen aufgehen lie\u00df.<br \/>\nOder die Tatsache, dass ich in Indien zwar St\u00fccke schrieb, aber nicht verstand, was die Darsteller sagten, weil sie das auf Tamil taten. Einmal musste ich kurz vor einer Vorstellung das Land verlassen, um mein Visum zu erneuern. Sie lie\u00dfen mich nicht rechtzeitig zur Premiere wieder hinein, und mein indischer Mitstreiter versuchte noch w\u00e4hrend der Auff\u00fchrung, meinen Notizen zu entnehmen, worum es in dem St\u00fcck \u00fcberhaupt ging. Ich glaube, die indische Regierung hat einfach versucht, die Auff\u00fchrung zu verhindern \u2026 Sehr vern\u00fcnftig.<br \/>\nInzwischen spielen wir experimentelles Theater an der Greifswalder Montessorischule.<br \/>\nLetztes Jahr gab es ein St\u00fcck, bei dem das Publikum nach jeder Szene \u00fcber den Fortgang entscheiden durfte, \u00e4hnlich diesen \u201edann lesen Sie weiter auf Seite sowieso\u201c-B\u00fcchern. Wir studierten \u00fcber 70 Szenen ein \u2026 und das bl\u00f6de Publikum entschied sich bei allen Auff\u00fchrungen f\u00fcr die gleichen. Das Publikum ist sowieso l\u00e4stig. Vorletztes Jahr hatten wir ein St\u00fcck, bei dem pro Auff\u00fchrung vier Zuschauer ermordet wurden \u2026 hoppla \u2026<br \/>\nDieses Jahr gab es daf\u00fcr ein Musical. Das ist definitionsgem\u00e4\u00df ein St\u00fcck mit Musik, da wir aber durch die Musikproben nie Zeit f\u00fcr anderes hatten, hatten wir am Ende Musik ohne ein St\u00fcck. Also schnell alles an einem Wochenende nachholen \u2026 schade, dass eine Hauptdarstellerin Segelwettkampf, eine Rollschuhtanzwettbewerb und eine ein Klavierkonzert hatte. Ein anderer Schauspieler setzte sich in die Ukraine ab und tauchte, nachdem er ersetzt worden war, zur Generalprobe wieder auf. Woraufhin das ihn ersetzende Kind w\u00e4hrend der Premiere einen Nervenzusammenbruch bekam und nun auch seine eigene Rolle nicht mehr spielen wollte.<br \/>\nIm letzten Moment fiel uns auf, dass wir eigentlich keine Kost\u00fcme besa\u00dfen. Ich bastelte also rasch acht Pflanzen und ein vierarmiges Monster &#8230; Vorhang hatten wir ebenfalls keinen. Kein Problem, man bestellt einfach zwanzig Meter schwarzen Stoff und macht sich ans N\u00e4hen. Der Stoff schl\u00e4ngelte sich von der N\u00e4hmaschine aus durch Wohnzimmer, K\u00fcche und Flur bis auf die Stra\u00dfe, wo sich mehrere Autos darin verhedderten, aber die n\u00e4hte ich einfach ein. Beim Auf-und Zuziehen hakte es etwas; muss an den Autos gelegen haben.<br \/>\nW\u00e4hrend einer Vorstellung war der Sound-Mensch nicht da, na ja, schaltete ich eben auch noch alle Head-Sets und drei CDs \u2013 nat\u00fcrlich immer mit der kleinen Haselmaus im Tragegestell. Dumm nur, dass auch das Murmelkind der Babysitterin entkam und dringend auf meinen Scho\u00dfwollte, um beim Hebelschalten zu helfen.<br \/>\nVor der n\u00e4chsten Auff\u00fchrung zerst\u00f6rte ein aufgeregter Schauspieler die Fernsteuerung des Rollos, ohne die die Beleuchtung nicht funktioniert. Beim Versuch, das Rollo per Hand hinunterzuziehen, st\u00fcrzte eine Lehrerin in die Tiefe, das war allerdings nicht so schlimm, die hatte sowieso einen befristeten Vertrag.<br \/>\nSchlie\u00dflich klemmte der Dirigent und Komponist ein gro\u00dfes St\u00fcck schwarzen Stoff vor das Fenster, ich glaube, das war sein Anzug, denn er dirigierte an diesem Abend in Unterw\u00e4sche.<br \/>\nDann sollte das Musical im richtigen Theater aufgef\u00fchrt werden. Dazu rief man mich und die kleine Hasemaus \u201emal eben kurz\u201c zur Lichtprobe. Die bestand darin, dass eine wei\u00dfe Fl\u00e4che von hinten bunt angeleuchtet wurde. Es dauerte nur schlappe acht Stunden, die richtige Farbschattierung hinzubekommen.<br \/>\nBei der Auff\u00fchrung stellten wir fest, dass der Orchestergraben zu niedrig war und der Dirigent einen Meter dar\u00fcber hinausragte. Wir erwogen, den Dirigenten zu k\u00fcrzen, stellten dann aber doch den Graben niedriger. An diesem Tag bekam ich eine e-mail vom Verlag: L\u00e4uft das Musical jetzt sch\u00f6n ohne dich? Nein, ich stand (mit Haselmaus) hinter der B\u00fchne und soufflierte verzweifelt Dinge, auf die keiner h\u00f6rte.<br \/>\nBeim Kneipentheater der Erwachsenen spielte letztes Jahr eine uneingeladene schwarze Katze mit, bei der zweiten Vorstellung fiel \u2013 in einer dunklen Scheune \u2013 der Strom aus. Und eine Zuschauerin rief die ganze Zeit \u201eJonny, sitz doch mal still!\u201c, was den Darsteller Jonny etwas verunsicherte. Sp\u00e4ter stellten wir fest, dass ihr zweij\u00e4hriger Sohn genauso hie\u00df.<br \/>\nBei der dritten Auff\u00fchrung merkte ich, dass ich in der Pause meinen Rock auf der falschen Seite der<br \/>\nKneipe vergessen hatte. Also spielte ich nur in schwarzer Strumpfhose, was die \u00e4lteren Herren im Publikum sehr emp\u00f6rte. Daf\u00fcr wirkten die verkleideten Polizisten ziemlich echt \u2013 als sie vor der Kneipent\u00fcr in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone \u00fcbten, sprangen s\u00e4mtliche Radfahrer von ihren R\u00e4dern und schoben pflichtbewusst.<br \/>\nKommen Sie doch mal zu einer Auff\u00fchrung. Vielleicht vergesse ich ja n\u00e4chstes Mal die Strumpfhose.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Leben ist ein Theaterst\u00fcck, in dem keiner seinen Text kann.<br \/>\nAlso ab auf die Bretter, die die Welt bereute!<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,18],"tags":[],"class_list":["post-691","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-haselmaus","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/691","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=691"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/691\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=691"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=691"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=691"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}