{"id":752,"date":"2018-10-06T19:40:30","date_gmt":"2018-10-06T17:40:30","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.antonia-michaelis.de\/?p=752"},"modified":"2018-10-23T10:22:24","modified_gmt":"2018-10-23T08:22:24","slug":"netz-hat-man-auf-madagaskar-nur-als-fischer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/netz-hat-man-auf-madagaskar-nur-als-fischer\/","title":{"rendered":"Netz hat man auf Madagaskar nur als Fischer"},"content":{"rendered":"<p>Kommunizieren mit Madagaskar ist ganz einfach. Nat\u00fcrlich, es gibt kein Festnetz, aber wir nehmen ja die Handys mit: Papas Handy und Alvas Handy, beide ganz neu, und alle richten brav Telegramm ein, obwohl das vielleicht vom russischen Geheimdienst gesponsort wird.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem haben wir zwei internetf\u00e4hige Computer.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen also den ganzen Tag Bilder hin und her schicken und mit s\u00e4mtlichen Gro\u00dfeltern kommunizieren.<\/p>\n<p>\u201eIch melde nur mal schnell das Internet an bei der madegassischen Telekom\u201c, sagt also Papa und verschwindet in einem adretten, reklamefarbenen Bungalow. Dort muss er erst einmal angeben, wo sich die von uns bewohnte Villa Henry befindet, immerhin hatten unsere Vormieter Internet, die Kabel m\u00fcssen also noch im Boden liegen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-800 size-large\" src=\"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/alle-sind-im-Kindergarten-aber-ich-hab-die-H\u00e4ngematte-1-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"525\" height=\"394\" srcset=\"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/alle-sind-im-Kindergarten-aber-ich-hab-die-H\u00e4ngematte-1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/alle-sind-im-Kindergarten-aber-ich-hab-die-H\u00e4ngematte-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/alle-sind-im-Kindergarten-aber-ich-hab-die-H\u00e4ngematte-1-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 525px) 100vw, 525px\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-801 size-large\" src=\"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Bevor-Papa-von-der-Leiter-fiel-nicht-wirklich-1-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"525\" height=\"394\" srcset=\"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Bevor-Papa-von-der-Leiter-fiel-nicht-wirklich-1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Bevor-Papa-von-der-Leiter-fiel-nicht-wirklich-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Bevor-Papa-von-der-Leiter-fiel-nicht-wirklich-1-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 525px) 100vw, 525px\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-802 size-large\" src=\"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Elfe-auf-dem-Weg-durch-den-Garten-1-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"525\" height=\"394\" srcset=\"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Elfe-auf-dem-Weg-durch-den-Garten-1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Elfe-auf-dem-Weg-durch-den-Garten-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Elfe-auf-dem-Weg-durch-den-Garten-1-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 525px) 100vw, 525px\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-803 size-large\" src=\"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/gem\u00fctlich-1-1-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"525\" height=\"394\" srcset=\"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/gem\u00fctlich-1-1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/gem\u00fctlich-1-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/gem\u00fctlich-1-1-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 525px) 100vw, 525px\" \/><\/p>\n<p>Da man in Madagaskar keine Adressen <em>hat <\/em>(wir wohnen \u201ein der N\u00e4he vom Bahnhof\u201c), n\u00fctzt die im Mietvertrag angegebene Adresse nichts, denn die Stra\u00dfen kennt ja keiner. Die Telekomdame guckt daher auf Google Earth nach, und anhand der W\u00e4sche des Nachbarn identifizieren wir die Villa. Ja, also, wenn das die ist, muss man da doch noch mal graben, sagt die Telekomdame. Da lag zwar vor einem Monat noch Internet, aber ganz sicher kann man nie sein, dass es noch da ist. Offenbar glaubt sie, die Vormieter h\u00e4tten das Kabel mitgenommen.<\/p>\n<p>Das Graben kostet dreihundert Euro (das dreifache Jahresgehalt eines Madegassen \u2013 rechnen sie mit einer dreij\u00e4hrigen Grabungszeit?), und um das Netz dann zu nutzen, brauchen wir eine Meldebescheinigung.<\/p>\n<p>Tja, das ist ein Problem, f\u00fcr unser Visum brauchten wir n\u00e4mlich auch eine Meldebescheinigung, und zwar von einem erwiesener Ma\u00dfen in Madaskar befindlichen madegeassischen Vermieter. Was nicht geht, weil unser Vermieter ein Schweizer ist. Damit wir trotzdem ein Visum bekommen (es ist schwer genug, die Papiere vom Au\u00dfenministerium, Innenministerium, Bildungsministerium, der Uni und dem B\u00fcrgermeister zusammenzubekommen), hat uns der Professor, mit dem Papa zusammenarbeitet, einfach eine selbstgebastelt. Er ist ja Madegasse, wir wohnen jetzt theoretisch in seinem Briefkasten in der Hauptstadt.<\/p>\n<p>Also k\u00f6nnen wir gar kein Internet in Antisrabe beantragen.<\/p>\n<p>Nicht so schlimm, Kinder! Papa geht nochmal los und kauft ein mobiles Internet.<\/p>\n<p>Das mobile Internet ist ein kleines flaches Ger\u00e4t und hei\u00dft jetzt Christiane.<\/p>\n<p>(Es ist \u00fcbrigens von der Firma Orange, die in der Hauptstadt den Tour Orange besitzt, das h\u00f6chste Geb\u00e4ude Madagaskars, aber la Tour Orange ist kein orangfarbener, sondern ein grauer Turm, na ja, das hat im frankophonen Raum ja Tradition, schlie\u00dflich befindet sich der Tour Eiffel auch nicht in der Eifel.)<\/p>\n<p>Wenn man Christiane neben den Laptop legt, macht sie Internet.<\/p>\n<p>Glauben wir zumindest. Bis wir es ausprobieren. Da macht Christiane nur eines, rumliegen, obwohl man sieht, dass man eingeloggt ist und das Geld durchl\u00e4uft.<\/p>\n<p>Mist, telefonieren wir also mit dem normalen Handy, nicht \u00fcbers Netz. Wir rufen zu Hause an und sagen kurz einmal Guten Tag (nein, wir sagen es dreimal, denn bei den ersten beiden Malen versteht man nichts durch die Leitung) \u2013 das Guthaben ist aus. Man muss jetzt zu einem der kleinen Buden am Stra\u00dfenrand und eine neue Carte Orange kaufen. Die gibt es immer nur f\u00fcr maximal 25 Cent. Und man darf nicht alle Karten einer Bude aufkaufen, dann ist ja nichts mehr f\u00fcr die anderen K\u00e4ufer da. Also laden wir das Handy t\u00e4glich sieben Mal auf \u2026 Das muss doch einfacher gehen!<\/p>\n<p>Papa geht mit Handy und Christiane zum Orange Shop, und sie finden schalten irgendwo ein Geheimdings frei, jetzt funktioniert Christiane. Leider funktioniert jetzt das Handy nicht mehr. Er geht also nochmal hin, sie reparieren das Handy, und wir versuchen, meine Mutter anzurufen.<\/p>\n<p>Die ruft aber gerade Alva an. Und Alvas Handy geht nicht. Es glaubt, es w\u00e4re noch in Deutschland. Papa geht mit Alvas Handy wieder zum Orange Shop, es macht dort eine kurze Psychotherapie und wei\u00df jetzt, dass es in Madagaskar ist \u2026<\/p>\n<p>Und Alva versucht, meiner Mutter eine Nachricht \u00fcber Telegramm schreiben. Leider funktioniert es nicht, Telegramm kennt die Nummer meiner Mutter nicht.<\/p>\n<p>Vielleicht besser e-mail \u2026? Damit wir nicht dauernd Christianes Guthaben verbrauchen, richtet Papa \u201enur ganz schnell mal\u201c auf meinem Laptop Thunderbird ein, das ist ein blauer Vogel, der die Nachrichten abholen soll, damit man offline arbeiten kann. Der Vogel ist leider ein bisschen faul oder muss auch zum Therapeuten, denn immer, wenn Papa nach stundenlangem Arbeiten sagt: \u201eJETZT geht es!\u201c und ich es ausprobiere, geht es leider gerade nicht. Vielleicht hat der Vogel auch kein Visum f\u00fcr Madagaskar bekommen, weil ihm die Meldebescheinigung fehlte \u2026<\/p>\n<p>Ich versuche, meiner Mutter ohne blauen Vogel ganz normal online eine Nachricht zu schreiben. Leider funktioniert das Internet gerade nicht, denn jetzt ist der Strom ausgefallen.<\/p>\n<p>Als er wiederkommt, hat sich das Internetprogramm aufgeh\u00e4ngt. Das ist normal, sagt man uns, es ist ein kleiner Wackelkontakt. Wobei, mehr Wackel- als Kontakt. Mit dem Handy sei es weniger wacklig als mit dem Laptop.<\/p>\n<p>Wir versuchen es nochmal \u00fcber Telegramm. Mein Vater hat es jetzt bei meiner Mutter im Handy neu eingerichtet. Dabei hat sich aber entweder ihre Telefonnummer ge\u00e4ndert oder unsere Telefonnummer ge\u00e4ndert oder der russische Geheimdienst hat beide gel\u00f6scht.<\/p>\n<p>Vielleicht ist auch das Telefonieren immer so teuer, weil alle beteiligten Ger\u00e4te glauben, sie bef\u00e4nden sich in Moskau.<\/p>\n<p>Dann der Durchbruch: Auf einmal geht Telegramm bei zwei Beteiligten! Nun kann Papa mit Alva telefonieren. Eigentlich k\u00f6nnten sie auch normal miteinander reden, immerhin sind sie im selben Haus.<\/p>\n<p>Ich glaube, ehrlich gesagt, unsere Vormieter haben nicht nur das Internetkabel mitgenommen, sie haben das ganze Internet mitgenommen. Auch das tragbare.<\/p>\n<p>Und es suchen eine ganze Menge Leute in Antsirab\u00e9 danach, die gro\u00dfen, tiefen L\u00f6cher in der Stra\u00dfe sind gar nicht die kaputte Kanalisation, es sind Internetgrabungsstellen.<\/p>\n<p>Wenn Sie meine Mutter sehen, sagen Sie ihr doch, dass es uns gut geht. Wir schreiben jetzt Briefe. Schade eigentlich, dass es keine Post gibt in Antsirab\u00e9.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kommunizieren mit Madagaskar ist ganz einfach. Nat\u00fcrlich, es gibt kein Festnetz, aber wir nehmen ja die Handys mit: Papas Handy und Alvas Handy, beide ganz neu, und alle richten brav Telegramm ein, obwohl das vielleicht vom russischen Geheimdienst gesponsort wird. Au\u00dferdem haben wir zwei internetf\u00e4hige Computer. 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