{"id":824,"date":"2018-12-13T09:27:57","date_gmt":"2018-12-13T07:27:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/?p=824"},"modified":"2018-12-13T09:29:29","modified_gmt":"2018-12-13T07:29:29","slug":"la-langue-malgache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.antonia-michaelis.de\/blog\/la-langue-malgache\/","title":{"rendered":"La langue malgache"},"content":{"rendered":"\n<p>Malgache ist ganz leicht zu\nlernen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt n\u00e4mlich nichts. Keine Unterscheidung zwischen weiblich und m\u00e4nnlich, keinen Plural, keine F\u00e4lle, keinen Konjunktiv, noch nicht einmal richtige Verben, die man konjugieren k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Total leicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber dann sitze ich im Malgachekurs bei einem strengen \u00e4lteren Herrn, und er \u00f6ffnet den Mund und rattert eine un\u00fcbersichtliche Anzahl Silben herunter. Die vier Franz\u00f6sinnen, die mit mir im Kurs sind (h\u00fcbsch, jung, immer perfekt angezogen), rattern die Silben nach. Ich habe die erste Stunde verpasst, und sehe mich verwirrt um. Der Lehrer rattert wieder Silben. Die Franzosen rattern nach. An die Tafel wird nichts geschrieben, da m\u00fcsste der Lehrer ja was tun, so was geht gar nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Vor mir auf dem Papier stehenS\u00e4tze, die aber mit dem, was gerattert wird, nichts zu tun haben. (die H\u00e4lfte fehlt durch einen Kopierfehler, aber das ist auch schon egal).<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Man erkl\u00e4rt mir, dass das sosein <em>muss<\/em>, die Madegassen lassen 80 Prozent jedes Wortes weg, den Rest sprechen sie v\u00f6llig anders aus, als er geschrieben wird.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Wobei das Franz\u00f6sisch, dassder Lehrer nutzt, es ebenfalls in sich hat, das spricht er n\u00e4mlich genauso schnell wie Malgache, und es ist eine Art Franz\u00f6sisch, die eigentlich ausgestorben ist. Grammatikalische Wendungen wie \u201eil se peut que\u201c \u2026 \u201ees k\u00f6nntem\u00f6glicher Weise sein, dass\u201c (nat\u00fcrlich mit Subjonctif) starren mir von den Arbeitsbl\u00e4ttern entgegen. Die perfekt angezogenen Franz\u00f6sinnen tun, als sei das ganz normal. Vielleicht gehen die zu Hause ja in die B\u00e4ckerei und sagen flie\u00dfend: Es k\u00f6nnte m\u00f6glicher Weise sein, dass ich ein Br\u00f6tchen zu kaufen w\u00fcnschen m\u00f6ge. Bei Franzosen wei\u00df man nie.<\/p>\n\n\n\n<p>Es kommt also bei allem auf Geschwindigkeit an. Wenn man Dinge zu langsam sagt, oder m\u00f6glicher Weise sogar deutlich, wird man sofort streng zurecht gewiesen, man soll bitte tief Luft holen und dann alles schnell am St\u00fcck nuscheln.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Es gibt n\u00e4mlich \u00fcbrigensauch nur wenige Buchstaben, eigentlich nur M, A und N. Alle anderen haben h\u00f6chstens Gastauftritte.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Wie ich die Madegassenkenne, haben sie den Rest an ausl\u00e4ndische Investoren verkauft, die die Buchstaben monatlich abbauen und weg verschiffen, wahrscheinlich wieder die Chinesen. S\u00e4mtliche Verben beginnen zudem mit M, eine Gleichschaltung, die dererste kommunistische Pr\u00e4sident damals beschlossen hat. Das Verb sein gibt es \u00fcbrigens gar nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;So bleibt also kaumVariationen \u00fcbrig. Eine Menge Dinge hei\u00dfen gleich oder unterscheiden sich nurdurch den letzten Buchstaben. Den die Madegassen aber grunds\u00e4tzlich weglassen.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Tausend hei\u00dft auch Abend,Hand hei\u00dft das gleiche wie Stadt, Norden das gleiche wie Gewitter, Waschen das gleiche wie Ananas und das gleiche wie Einladen, gr\u00fcn das gleiche wie geradeaus, Regen das gleiche wie Nase, links das gleiche wie Komm! Und K\u00e4mpfen das gleiche wie Handeln. Geld hei\u00dft beinahe so wie das, was man sagt, wenn jemand niest. Mure ist ein besonders tolles Wort, es bedeutet: langsam, leicht, billig, einfach und gut.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Wohnen und sitzen hei\u00dft, jenachdem, etwas mit petra \u2026 So \u00fcbersetzt sich das deutsche Wort Wohnsitz ganzleicht in Petrapetrapetraka.<\/p>\n\n\n\n<p>Sagt also ein Madegasse zumanderen: Ich m\u00f6chte dich einladen, in meine Wohnung n\u00f6rdlich von der Stadt. Geh links und dann geradeaus, da wohne ich. Wir essen dann bei Regen meine guteAnanas und sprechen \u00fcber den letzten Handel.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann versteht der andere vielleicht: Ich werde dir die H\u00e4nde waschen, wenn es das n\u00e4chste Mal nachts Gewitter gibt! Komm gef\u00e4lligst, du Gr\u00fcnschnabel, oder ich setz mich im Regen auf dich! Ach, die Einladung kannst du aufessen, du lahme Nase. Besser, wir pr\u00fcgeln uns!<\/p>\n\n\n\n<p>Kein Wunder, dass die Politik nicht funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Daf\u00fcr kann man alles insPass\u00e9 setzen, sogar die Worte mit, nach und bei. Ich nehme an, auch das Wort Dschungel und Reichtum existiert nur noch in der Vergangenheit, (sie haben dann ein N vorne \u2026 Nungel? Klingt genau, wie es aussieht, nachdem es abgebrannt ist) denn die Madegassen sind ein frustriertes Volk. Bei der Wahl, die demn\u00e4chst stattfindet, gewinnt sowieso der schlechtere, der alle ausnimmt, das wissen sie schon, ehe sie hingehen.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Sein Wahlversprechen: MeineKandidatur bedeutet mehr Reis zu essen und eine Einladung zu besserer Gesundheitsversorgung, selbst abends!<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Reis-essen, ein eigenesWort, klingt rasch ausgesprochen verd\u00e4chtig \u00e4hnlich dem Wort Verkaufen. Und vermutlich meinte er nicht Einladung, sondern Waschen, und auch nicht Gesundheit und Nacht, sondern Geld und Tausend. Was er also gesagt hat, ist: Wenn ihr mich w\u00e4hlt, werde ich das Land weiter verkaufen und mit gewaschenem Geld von vielen tausend Scheinen reich werden<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Hoffentlich ver\u00e4u\u00dfert ernicht auch noch das A und das M ins Ausland, sonst leben wir am Ende in Dgskr, und das k\u00f6nnen dann wirklich nur noch die Chinesen aussprechen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Malgache ist ganz leicht zu lernen. Es gibt n\u00e4mlich nichts. Keine Unterscheidung zwischen weiblich und m\u00e4nnlich, keinen Plural, keine F\u00e4lle, keinen Konjunktiv, noch nicht einmal richtige Verben, die man konjugieren k\u00f6nnte. Total leicht. 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