Das ideale Eis

Der Sommer hat uns, ,und seit einer Weile sind wir auf der Suche nach dem besten aller möglichen Kleinkinder-Eise. Aber in dieser besten aller möglichen Welten ist das gar nicht leicht.
Ich möchte ein Kleinkindereis, das die Konsistenz von Beton hat, nicht klebt, nicht schmilzt und möglichst die Dinge, die es dennoch bekleckert, selbst wäscht. Diese Beschreibung trifft auf unsere Waschmaschine zu, aber die schmeckt, wenn man daran leckt, mäßig gut (wir haben es probiert).
Als ich klein war, wollte ich immer diese Sorte Eis haben, die man aus einer Papptube quetschen muss. Sie wissen schon, erst wärmt man die Tube in den Händen, dann drückt man sie rhythmisch aus und lutscht daran … erst kürzlich wurde mir bewusst, dass diese Sorte Eis eventuell nicht jugendfrei ist, aber meine Mutter hat das Eis damals schon verboten. Den Rest musste man nämlich umständlich aus der Papptube trinken … das Eis gab es in grün, rot und gelb. Meine Kleidung und meine Haare gab es hinterher auch in grün, rot und gelb. Heute gibt es das Eis nur noch in braun, und ich kann seinen Erwerb politisch nicht mehr billigen.
Bei unserem ersten Strandausflug mit der Murmel kommt also der Eiswagen vorbeigekullert, „da! Da!“, schreit die Mumel. „Namnam!“ Und möchte statt ihres „Eima“s jetzt dringen ein „Heiß“.
Und ich habe eine geniale Idee. Ich kaufe ein Edd-von-Schleck-Eis, die wohnen in einem Plastikzylinder, und man kann sie mit dem Plastikstil oben rausschieben. Dass das Eis vermutlich auch aus Plastik besteht, ist mir egal, vermutlich sind viele Konservierungsstoffe drin, da hält dar Kind sich länger. Zunächst sitzt die Murmel auch ganz glücklich da und Edd-von-schleckt, das ganze Gesicht ins Eis getaucht. Aber weiterhochschieben kann sie es nicht, jetzt kommt sie nicht mehr dran, vor lauter Ärger beißt sie in den Plastikrand, der schmeckt nicht, das Eis ist blöd, das Eis ist schuld, das Eis muss bestraft werden – das Eis fliegt mit einem unglücklichen Aufschrei in den Sand. Abbeißen vom benachbarten Cornetto ist auch nicht das Wahre, das ist zu kalt an den Zähnen. Der Tag ist im „Eima“.
Beim nächsten Strandbesuch versuchen wir es mit Wassereis am Stil. Leider findet die Murmel, man müsste es von der Mitte aus essen, quer, und während sie das versucht, schmilzt das Eis nach beiden Seiten weg. Der doofe Klimawandel. Stücke fallen ab, wir versuchen, zu helfen, sie unterstellt uns, dass wir das Eis stehlen wollen, und schon wieder ist der Tag im Eima.
Besser, wir gehen von jetzt an zum Eisessen ins Café. Hier gibt es das Eis in Begleitung von Apfelstrudel. Naja, die Äpfel sind der Murmel zu gesund, die kaut sie nur ein bisschen durch, danach darf ich sie esse. Die Sahne isst sie – und das Vanilleeis? Ist dies das ideale Eis? Ja! Ideal dafür, es ordentlich mit dem Löffel auf den Rattenstuhl zu löffeln und dort in die Ritzen einzuarbeiten, wo es irgendwann zu einer Schimmelkultur werden wird und vielleicht unbekannte Lebensformen darin einziehen, um die Welt zu erobern.
Beim nächsten Supermarkteinkauf erstehe ich ein Eis, das aus lauter kleinen roten und gelben Kugeln besteht, wie Styropor. Man bekommt es in einer Dose mit einem Schieber oben seitlich. Aus der Öffnung kann man sich die Eiskugeln in den Mund schütten. Jedenfalls könnte man das, wenn man dreißig Zentimeter vorstehende Lippen und eine zwei Meter lange Zunge hätte. Eindeutig ein Eis für Außerirdische. Die Murmel klemmt ihre Finger in der Öffnung ein und schreit. Schließlich setzt sie sich mitten auf den Parkplatz, dreht die Dose um und schüttelt: Der Asphalt ist bedeckt mit roten und gelben Wassereiskugeln, die die Murmel alle sorgfältig vom Boden aufliest und isst. Ich versuche, die Blicke der anderen Einkäufer zu ignorieren. Bei uns zu Hause heißt es nämlich nicht: „Was auf den Boden fällt, isst man nicht“, sondern „Was man auf den Boden schmeißt, muss man trotzdem essen.“
Also jetzt reicht es. Von nun an gibt es Eis nur noch zu Hause, im Hochstuhl. Am offenen Fenster, also auch in der Sonne, immerhin. Draußen auf dem Fensterbrett füttern wir gewöhnlich die Katzen. Zur Zeit sind es acht, sechs davon in Handy-Größe. Und als ich nach einer Weile wieder hinsehe, haben sie getauscht: Die Katzen lecken die Schale der Murmel leer, die Murmel isst voller Begeisterung … Brekkis. Sie haben die Konsistenz von Beton, schmelzen nicht und kleben nicht, und sie säubern auch alles, was sie trotzdem bekleckern: Die Katzen sammeln die restlichen Krümel auf. Brekkis sind das ideale Eis.
Ich werden an Langnese schreiben.

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